2. Über toxische Partnerschaften

2. Über toxische Partnerschaften

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Heute möchte ich Dich ein bisschen mitnehmen in meine ehemaligen Beziehungen und Partnerschaften. Ich war viele Jahre in einer toxischen Beziehung und habe lange nicht verstanden, was da mit mir passiert. Ich dachte lediglich, dass es sich nur um eine schwierige oder komplizierte Partnerschaft handelte. Doch heute weiß ich, dass dieses emotionaler Missbrauch war. 

Aber beginnen wir von vorne. Ich schreibe diesen Artikel, in der Hoffnung, dass ihn jemand da draußen liest, der sich in einer ähnlichen Situation sieht und auch nicht weiß, was da gerade mit ihm passiert. Dieser Artikel soll lediglich aufklären und Bewusstheit bringen, für diese Art von Partnerschaft. Ich spreche heute vom männlichen Narzissten, natürlich gibt es auch weibliche Narzissten, aber da ich meine Geschichte mit einfließen lassen möchte, beschreibe ich es so, als ob der Mann der Narzisst ist.

Toxische Beziehungen beginnen alles andere als giftig. Zu Beginn interessiert sich der Narzisst für dich, hört dir zu, fragt dich aus und zeigt tiefes Verständnis und Mitgefühl. Schon nach kurzer Zeit fühlt sich alles wahnsinnig vertraut und schön an. Es ist fast zu schön, um wahr zu sein und ich hatte nach wenigen Tagen bereits das Gefühl den Mann getroffen zu haben, auf den ich schon so lange gewartet hatte. Meinen Seelenverwandten, meinen Retter, meinen Partner für das Leben. Es folgten wundervolle Wochen intensiver Nähe, tiefem Verständnis, Vertrauen und richtig gutem Sex. Kein Blatt passte zwischen uns und nichts konnte uns trennen. Ich war angekommen.

Doch dann, aus dem absoluten Nichts heraus, findet eine Wandlung statt. Der Partner fängt an zu kritisieren, herumzunörgeln, einen abzuwerten und kleinzumachen. Es wird nach Fehlern gesucht, weiter gemeckert und immer wieder auf die Unzulänglichkeiten aufmerksam gemacht: Hier ist es nicht sauber genug. Da wurde etwas falsch eingekauft oder weggeräumt oder nicht gewaschen. Aus den kleinsten Kleinigkeiten wurde ein riesiger Aufstand gemacht. Oftmals, in dem lautstark herumgebrüllt, geschimpft und beleidigt wurde. Danach kam es meistens zu einem Rückzug. Er tauchte unter und war nicht mehr erreichbar. Heute weiß ich, das nennt man Silent Treatment. Die Partnerin soll damit gestraft und gleichzeitig gefügig gemacht werden, denn absolute Ignoranz ist Folter für die Psyche. Es folgten immer wieder Tage der Kälte, der Distanzierung, der Unerreichbarkeit, der Vorhaltungen, des Unverständnisses bis hin zur Infragestellung der ganzen Beziehung. Je mehr ich mich bemühte wieder Kontakt zu ihm zu bekommen, Frieden oder Nähe herzustellen, desto schlimmer wurde es. Ich wurde noch mehr beschimpft alles falsch zu machen, wurde noch mehr bestraft und die Distanz wurde noch größer. Ich ging daran kaputt. Ich stellte mich selbst in Frage, suchte meine Fehler, meine Schuld und wusste nicht mehr, wie es weitergehen sollte. Als ich an einem Punkt angekommen war, dass ich beschloss, diesen Schmerz und das Leid nicht länger auszuhalten und mich von ihm nun trennen zu müssen, tauchte er wie aus dem Nichts auf. Ein zuckersüßes Lächeln im Gesicht, einen 5 seitigen Entschuldigungsbrief in den Händen und ein tiefes Reueempfinden vorspielend. Ja, ich kann sagen vorspielend, denn heute weiß ich, dass er nie wirkliche Reue oder andere Gefühle spüren kann, und dass das Vorspielen dieser Gefühle nur dient, um an sein Ziel zu kommen. Was ihm auch prompt geglückt ist. Ich hörte plötzlich, dass ich doch nicht so schlecht bin, nein sogar die beste Frau in seinem Leben bin, die er je gehabt habe. Dass er mich vermisst und nur mit mir alt werden will und nur ich ihn verstehe, und dass er weiß, dass er sich ändern muss, aber dass ihm das nur mit mir gelingen würde. Also beschloss ich ihn zu retten. Es folgten wundervolle Phasen, intensive Nähe, tiefes Verständnis, viel Lachen, Gemeinschaft und Spaß. Ich wurde immer mehr mitgenommen zu Freunden, Familie und offizielle Termine und fühlt mich zum ersten Mal wie die Frau an seiner Seite. Alles war harmonisch, schön und fühlte sich absolut richtig an. Hatte ich mir das alles vorher nur eingebildet? Ich hatte doch jetzt wirklich eine traumhafte Beziehung, was wollte ich eigentlich? Wieso war ich zuvor auf den absurden Gedanken gekommen mich zu trennen? Ich fühlte mich mit ihm wieder absolut komplett. Achtung: Hier entsteht das Suchtpotenzial, was erklärt, warum ich damals und so viele andere Frauen es nicht schaffen, aus narzisstischen Beziehungen auszusteigen. Wir sollten uns niemals nur mit jemand anderen komplett fühlen. Wir müssen uns dieses Gefühl selber geben und uns mit uns selber bereits wohlfühlen, uns lieben und mit uns verbunden sein. Ansonsten brauchen wir immer wieder genau solche Menschen, um uns komplett zu fühlen.

Doch gerade als ich wieder anfing ihm tief zu vertrauen, beginn das Ganze von vorne. Nachdem er sich wieder sicher war und die absolute Nähe hergestellt hatte, musste er abermals ausbrechen. Und wie kommt man am schnellsten von absoluter Nähe zu absoluter Distanz? Genau, in dem man zu einer anderen Frau geht und die eigene Partnerin betrügt. Gleichzeitig ging der Streit zwischen uns von vorne los. Er wertete mich ab, schimpfte über Kleinigkeit, beschimpfte meine Art zu sein, war mit nichts zufrieden und schenkte mir ständig Missachtung. Er war abermals nicht da, nicht greifbar, keine Gesprächsmöglichkeiten und absoluter Rückzug. Es war die Hölle. Was ganz typisch ist für toxische Beziehungen. Entweder Du bist im Himmel oder in der Hölle. Ein dazwischen gibt es nicht. Der toxische Partner beginnt wieder damit einen für alles verantwortlich zu machen. Du trägst die Schuld daran, ob eine Partnerschaft gelingt oder nicht. Läuft es nicht, dann nur, weil Du etwas falsch gemacht, etwas Falsches eingefordert, etwas falsch verstanden oder einfach nur die falsche Frage gestellt hast. Es ist zermürbend. 

Die ganzen Schuldzuweisungen, die gerne auch aus längst vergangenen Tagen immer wieder aufgetischt werden, laugen Dich aus und machen dich immer instabiler. Es dauert nicht mehr lange und du traust dir bald gar nichts mehr zu. Jeder Tag ist wie ein Tanz auf rohen Eiern. Du bist in ständiger Anspannung irgendetwas falsch zu machen und traust dir selber nichts mehr zu. Hinzu kommt, dass dein toxischer Partner nun anfängt dich zu isolieren, indem er deine Freunde kritisiert, deine Familie abwertet und Kontakte zu netten Kollegen unterbindet. Hier hat er Angst, dass sie dich wieder aufbauen könnten und deshalb nörgelt er so lange an ihnen herum, bis du mit der Zeit diese Kontakte unterlässt. Ebenso belächelt er deine Hobbys, deinen Sport oder sonstige Dinge, die du gerne alleine unternimmst. Sätze wie: „Du liebst deinen Sport wohl mehr als mich. Sonst würdest du mich jetzt hier nicht auf dem Sofa alleine sitzen lassen. Wenn Du mich wirklich lieben würdest, würdest du diese Freundin fallen lassen. Du weißt, dass ich sie nicht mag. Was hast du eigentlich für eine Familie? So ganz normal ist das bei euch auch nicht. Da weiß ja jeder Bescheid über den anderen.“ Diese und andere Sätze lassen dich aufhorchen, und wenn du den nächsten Streit nicht heraufbeschwören möchtest, dann bleibst du halt zuhause, triffst dich nicht mehr mit dieser Freundin und reduzierst den Kontakt zu deiner Familie. Letztendlich habe ich mit der Zeit alles aufgegeben, nur um nicht wieder Streit zu provozieren, diese endlosen nächtlichen Debatten zu vermeiden und die nie enden wollenden Vorhaltungen aushalten zu müssen. Das hatte zur Folge, dass ich mich immer einsamer fühlte. Rückblickend war es schmerzhafter in einer Beziehung zu sein und sich einsam zu fühlen, als allein Single zu sein. 

Irgendwann ist die Zeit gekommen, wo man einer Frau ansieht, dass sie mit einem toxischen Partner zusammen ist. Sie weint viel, schläft kaum, isst nichts und wirkt irgendwie ausgemergelt, fahl und traurig. Wenn sie es nun schafft, sich aufzurappeln, um diese Beziehung zu beenden, erspürt der Partner sofort die Distanz und kommt wie immer angekrochen, liebevoll, verständnisvoll, zärtlich und so besonders wie nie. Sie bekommt abermals das Gefühl, dass nur er diese Wunde von nicht gut genug sein, schließen kann und ist dankbar, dass er das mit seinem Verhalten tut. Sie saugt seine ganze Nähe wie ein ausgetrockneter Schwamm in sich auf. Solange bis er sich wieder sicher fühlt. 

Das ganze Verhalten hat einen Namen: emotionaler Missbrauch. Auch, wenn ich lange dachte, dass es zwischen uns einfach nicht gut läuft, weiß ich nun ganz genau, dass es sich hierbei um einen Straftatbestand handelte. Denn emotionaler Missbrauch ist eine Straftat. Was geschieht hier genau? Der Partner nutzt einen aus so gut es geht, indem er die Gefühle, die er in sich trägt, wie Hass, Ablehnung, Missgunst und Neid auf seine Frau überträgt. Sämtliche Gefühle, die die Partnerin spürt, werden ihr abgesprochen, ignoriert oder als falsch bewertet. Das wird Manipulation kombiniert mit Macht und Kontrolle ausgeübt, um diesen Menschen zu missbrauchen. Danach folgt diese Gehirnwäsche, an die ich mich auch noch sehr gut erinnern kann. Meine Wahrnehmung stimmte immer seltener mit seiner überein. Er hat Dinge anders gesagt, anders gesehen, anders gemeint. Ich habe alles falsch verstanden, falsch interpretiert und falsch wahrgenommen. Am Ende traute ich mir selber überhaupt nicht mehr und hatte meine Verbindung zu meinem eigenen Verstand und meinem Bauchgefühl völlig verloren. Ich suchte immer mehr Zeugen für bestimmte Situationen, und wenn diese mir recht gaben und ich ihn damit konfrontierte, wurde ich nur damit beschimpft, dass ich anderen mehr glauben würde als ihm, und dass diese Menschen genauso wenig Ahnung hatten wie ich. Lügen, betrügen, falsche Schuldzuweisungen waren an der Tagesordnung. Ich geriet immer mehr unter Stress, hatte viele Ängste und wusste keinen Ausweg. Ich traute mir nichts mehr zu, stellte mich ständig in Frage und dachte ich werde verrückt. Ich versuchte zunehmend ihn zu kontrollieren, weil ich ihm auch nicht mehr vertraute und oftmals nicht wusste, was ich glauben sollte. Aber wer versucht einen toxischen Partner zu kontrollieren bekommt die Höchststrafe. Das Drama wurde nur noch schlimmer. 

Irgendwann war deutlich und klar zu sehen, dass es so nicht weitergehen konnte, da ich ziemlich krank und am Boden war. Zu diesem Zeitpunkt beschloss ich auszusteigen, was kein leichter, aber der beste Weg war. 

Zum Schluss noch eine Erklärung, warum ein toxischer Partner sich so verhält. Narzissten tragen in sich eine so unendlich große Leere, einen Selbsthass und keinerlei Selbstwert. Deshalb benutzt er dich als Projektionsfläche. Alle Hassgefühle projiziert er auf dich. Er fühlt sich schäbig, klein und lehnt sich ab. Seine Wertlosigkeit, Schuld und Erniedrigung wälzt er auf dich ab und holt sich von dir die Kraft, die guten Gefühle, die Stärke und das Gute. Du gibst ihm damit seine narzisstische Zufuhr, die wieder seinen Selbstwert beflügelt. Er tauscht seinen Hass durch deine Kraft, deshalb sucht er sich auch oftmals sehr emphatische Frauen, weil die viele Gefühle in sich tragen, die ihm verborgen sind. Er liebt die Reibung und den Streit mit dir, um sich selbst zu spüren. Du bist quasi seine Lebensquelle. Er fühlt sich mit dir und durch dich lebendig. Er hat verstanden, dass je mehr er verletzt, desto mehr bekommt er von dir. Wenn du aus diesem Spiel aussteigen willst, bleibt nur nicht mitzuspielen. Kein Streit, keine Reibung, keinen Kontakt. Wenn du keine Kinder mit ihm hast, ist das leichter möglich, als wenn du ihn immer noch sehen und Absprachen mit ihm treffen musst. Also, höre auf ihm noch irgendetwas von dir zu geben. Du wirst nur noch länger missbraucht. Streite nicht, nimm seine Forderungen an und spiele nicht länger sein Spiel mit. Irgendwann wird es ihm langweilig werden, wenn er nichts mehr von dir bekommt und dann ist es zu Ende…..für Dich!